Jetzt geht es richtig los!

Nachdem ich heute etwas früher aufgewacht bin als geplant, habe ich mein Packsystem ein wenig optimiert und bin nun von drei Gepäckstücken runter auf zwei.

Ich habe nämlich meine Laptoptasche entsorgt, diese war sowieso nicht geplant und kaputt war sie auch noch seit einiger Zeit. Somit konnte ich alten Balast loswerden und bin jetzt viel leichter unterwegs als vorher. Das hätten wir also erledigt dachte ich mir und ging duschen, danach runter zum Frühstück und es mir ein letztes mal in diesem wunderschönen Luxushotel gut gehen lassen, bevor es eher „low budget“ weitergeht. Wobei low budget in Skandinavien speziell aber in Finnland ein sehr dehnbarer Begriff ist. Es ist alles unfassbar teuer, ich wollte es zuerst nicht glauben als ich das hörte, obwohl ich die skandinavischen Preise von Dänemark schon kenne.

Seekrankheit adé

Gegen 9:30 Uhr checkte ich aus, verabschiedete mich von der sehr freundlichen Rezeptionistin und begab mich zur Straßenbahn um zum Hafen zu fahren, welcher zwar in der selben Straße wie das Hotel ist aber dann doch etwas zu weit entfernt war um zu Fuß zu gehen.

„wenn Ihr mehr Bilder von meiner Reise sehen wollt – denn die sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte, dann folgt mir doch auf Instagram! Dort lade ich jeden Tag Fotos hoch und halte Euch somit in Echtzeit auf dem laufenden“

Am Hafen angekommen war ich erstmal ziemlich verwirrt, der freundliche junge Mann am Infopoint teilte mir nämlich mit dass ich trotz Online Ticket zum Schalter muss um mir so etwas wie einen Boarding Pass drucken zu lassen. „Zum Glück“ dachte ich mir, bin ich früh genug zum Hafen gekommen sonst hätte ich das womöglich nicht mehr geschafft.

Nachdem ich das alles dann erledigt hatte und das Schiff endlich betrat, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Fähren sind nun wirklich nichts neues für mich aber ich bin immer wieder begeistert was so alles in ein Schiff hineinpasst. Unzählige Cafes, Läden (sogar ein mittelgroßer Supermarkt) und die ein oder andere Lounge finden auf diesem Schiff Platz.

Apropos Platz, die Sitze sind so unglaublich gemütlich das sie mich haben vergessen lassen dass ich eigentlich Seekrank bin. 2 Stunden dauert die Überfahrt zum 76 Kilometer entfernten Talinn – der Hauptstadt von Estland.

Schöne Stadt, aber seltsame Leute

Das Wetter war nicht das beste, und zu allem Überfluss hatte ich vergessen mein Ticket für den Hop On – Hop Off Bus auszudrucken. Ich entschied mich daher kurzerhand für eine Sightseeing-Tour mit dem Velo-Taxi. Ein riesen Fehler wie sich später herausstellte – und das aus mehreren Gründen.

„Wem der Begriff „Velo-Taxi“ nichts sagt, das ist im Grunde genommen eine Art Rikscha wo hinten der Fahrgast sitzt während sich vorne der Fahrer abstrampelt, sehr anstrengend – trotz eingebautem Elektromotor“

Wir fuhren also los, ich habe vorher noch einen kurzen Blick auf die Preisliste geworfen und dachte mir ok 100€ für eine Stunde private Sightseeing – Tour, die Preise sind genau gleich wie in Frankfurt und in Talinn gibt es bestimmt viel mehr zu sehen. Die Tour war sehr unterhaltsam, aufschluß und lehrreich. Trotz all dieser Eindrücke hatte ich die Uhr immer fest im Blick, spätestens an dem Punkt an dem das alles kein Spaß mehr machte und das war als es anfing zu regnen. Und es regnete nicht nur ein bisschen, nein! Es schüttete, der Fahrer gab auf einmal Gas wie ein wahnsinniger um mich so schnell wie möglich zurück zum Hafen zu fahren.

Bis dahin war alles super, ich habe mich sehr gut unterhalten und informiert gefühlt dafür wirklich einen Daumen hoch. Und wenn er mir seinen Namen verraten hätte würde ich ihn hier auch dankenswert namentlich erwähnen.

Zahltag – oder auch Abzocke par excelence

Als wir am Hafen ankamen war mir so unfassbar kalt und man hätte mich auswringen können so nass war ich. Wie gut das es im inneren warm war und ich schnell wieder zu mir kam.

Jetzt hieß es nur noch ein bisschen Geld abheben da ich nicht mehr genug Bargeld da hatte (ich hasse Bargeld, wenn möglich zahle ich alles mit Karte) doch mit ein bisschen war es nicht getan.

Ich rechnete eigentlich mit den Anfangs erwähnten 100€ doch da hatte ich die Rechnung ohne Mr. Taschenrechner gemacht. Der Fahrer nahm sein Handy und fing an wild drauf loszutippen und präsentierte mir dann eine Summe die mir die Sprache verschlug. Ich weiß wirklich nicht wie er auf die irrwitzige Summe von 290€ kam aber er war der Ansicht das sei der Preis den ich ihm schulde und zwar aufgrund von Zitat: „einer ausführlichen und informativen Altstadtführung“ dann räumte er mir auch noch kackfrech einen „Rabatt“ von 15€ ein. Und ich dachte mir nur so F**k y*u! Zähneknischernd bezahlte ich diese Wuchersumme, schon alleine aus dem Grund weil ich eh nichts hätte ausrichten können und schwor mir NIE WIEDER und NIRGENDWO mit dem Velo-Taxi zu fahren.

Ich schlenderte noch ein bisschen durch das Hafengebäude, erleichtert um ein zehntel meines Reisebudgets auf der Suche nach einer etwas dickeren Wollmütze für Lappland. Die günstigste die ich fand kostete allerdings 180€(!!!) also schnell raus und was zu Essen gesucht.

Chi – so hieß dieses schöne Restaurant in das ich mich verirrt hatte, ein Restaurant mit indischen Spezialitäten. Ich bin kein Freund vom indischen Essen aber das hier war wirklich super lecker und was fast noch wichtiger ist – günstig!

Nach dem Essen hatte ich noch anderthalb Stunden Zeit die ich wartend in der Hafenlobby verbrachte, da mein Smartphone leer war (vom vielen Fotos schießen) nutzte ich die Zeit um die Leute zu beobachten. Die meiste Zeit sah ich Menschen wie sie von irgendwelchen Einkaufstrips zurückkamen (hauptsächlich Bier und Zigaretten).

Kurzer Schockmoment und leichte Panik

Ein Mann – der mir völlig fremd war und ich im logischer Weise auch, bat mich auf seine Sachen aufzupassen während er auf Toilette ist. Interessant wie gutgläubig manche Menschen sind, ich hätte auch einfach damit abhauen können (was ich niemals tun würde, aber das weiß er ja nicht!) aber anscheinend denken die Menschen hier oben anders als wir – wer weiß.

Ich schaute nochmal auf mein Ticket bevor es losging und checkte meine Uhr gegen, Planmäßig sollte meine Fähre um 19:30 losfahren und um 21:30 in Helsinki ankommen, soweit so gut somit hätte ich genug Zeit zum umsteigen gehabt denn mein Nachtzug sollte erst gegen 23:13 Uhr abfahren. Allerdings machte ich hier einen Denkfehler weswegen ich kurz in Panik geraten bin ich dachte nämlich das zwischen Estland und Finnland auch ein Zeitunterschied herrscht, nach mehrmaligem checken der Weltuhren dank Google konnte ich aufatmen – ich würde ohne Probleme meine Zugverbindung kriegen und musste mir keine Sorgen machen – aber so bin ich manchmal, ich mache mir lieber zu viel als zu wenig Gedanken 🙂

Nachdem ich die erste Straßenbahn ausließ – weil VIEL zu voll! Quetschte ich mich als einer der ersten in die nächste Bahn um einen Sitzplatz zu kriegen. Dank meines Backpacks wagte es auch keiner sich mir in den Weg zu stellen.

Chaos im Nachtzug!

Pünktlich um 23:13 Uhr fuhr der IC273 mit Fahrtziel Rovaniemi auf Gleis 8 in Helsinki ein – so weit so gut! Eine unfassbar große Gruppe von Menschen wartete mit mir auf diesen Zug und mit einigen kam ich auch prompt ins Gespräch.

Nachdem der Zug die Türen öffnete stürmten alle rein um ihren reservierten Sitzplatz zu finden dies erwies sich aber als sehr schwierig da der Zug mit einer völlig durcheinander gebrachten Wagenreihung ankam. Ich bin – weil ich nach den Wagennummern ausgegangen war die draußen angeschrieben waren fälschlicherweise viel zu weit nach vorne gelaufen, ich hätte einfach am Gleisanfang bleiben können und wäre sofort in meinem Waggon gewesen. Als ich dann endlich meinen Waggon gefunden hatte sah ich meinen freien Platz auch vor mir und verstaute erstmal mein Gepäck und nahm Platz.

Neben mir saß eine seltsame ältere Frau die nur finnisch sprach und jedes mal wenn sie was sagte hörte sich das an als ob sie keine Luft mehr bekam, ich bekam es leicht mit der Angst zu tun – nicht das sie mir noch kolabiert.

Hinter mir saß eine noch ziemlich junge Mutter mit ihren zwei Kindern – wir sollten später noch ziemlich viel Spaß zusammen haben, das wusste ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht……

Wie es mir auf der Zugfahrt ergangen ist und was in Rovaniemi passiert ist das könnt ihr im zweiten Teil lesen – morgen.

Bis dahin Euch noch eine gute Zeit.

Euer Amar

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